
Workshop für die EuropaChorAkademie an der Universität Mainz
von Verena Rotermund/VR Coaching/Schreibprojekte Mainz
Es war mir eine ganz besondere Freude, als Frau Daus-Kohlhas mich im Oktober 2009 anfragte, ob ich eine Schreibwerkstatt für die Europa Chorakademie halten möchte.
Das Thema „Deutsche Romantik“ war ein zusätzlicher Anreiz, denn ich sehe es als eine spannende Herausforderung an, die Literatur dieser Epoche so zu vermitteln, dass ihre Bedeutung für unsere Zeit verständlich wird.
Schnell war ein Thema gefunden: Nach einer inhaltlichen Beschäftigung mit Schriftstellern dieser Epoche und deren Werken wollte ich gemeinsam mit den jugendlichen Teilnehmern anhand der Motive und der Stimmung dieser Epoche den Transfer in der heutige Zeit versuchen. Wir beschäftigen uns mit Textauszügen und Gedichten aus den Werken von Eichendorff und Novalis. Im Anschluss erstellten wir ein „Cluster“ zu den darin enthaltenen Motiven. Dabei wurde das Wort „Romantik“ in eine Ellipse auf die Mitte eines Blattes geschrieben und dazu Assoziationsketten gebildet. Die Workshopteilnehmer benannten die in den Texten enthaltenen Motive und konnten dann frei assoziieren, was ihnen in den Sinn kam. So entstand ein fantasievolles Cluster, aus dem einzelne Wörter herausgenommen wurden. Zu diesen wurden dann Geschichten und Gedichte verfasst. Ich stellte den Jugendlichen eine Auswahl lyrischer Kleinstformen wie Haiku, Limerick, Elfchen, Kryptichon und Akrostichon vor. Auch Prosa war erwünscht, hier entstand eine Kurzgeschichte mit novellenartigem Charakter (für eine „richtige“ Novelle war die Seminarzeit von drei Stunden natürlich nicht ausreichend) und ein Essay. Wie Sie an den nachfolgenden Texten und Gedichten ersehen können, ist der angestrebte Transfer romantischer Motive in die heutige Zeit mehr als gelungen. Das Wort, das Ausgangspunkt des jeweiligen Gedichtes/Textes ist, wurde zur besseren Erkennbarkeit hervorgehoben.
Ich bin begeistert von dem, was die Teilnehmer in nur einer Stunde verfasst haben. Aus meiner Sicht ein „Beweis“, dass so viele Begabungen und Fähigkeiten in jungen Menschen schlummern, die darauf warten, ans Licht befördert zu werden.
Ich bedanke mich bei den Teilnehmern für ihre tolle Mitarbeit und ihre Zustimmung, ihre Texte hier zu veröffentlichen.
Kurzgeschichte
Der missverstandene Künstler
Der Künstler, der immer Handwerker gerufen wurde, litt doch sehr unter dieser Bezeichnung. Er wollte Künstler sein, kein Handwerker. Jahrelang lebte der Künstler nun schon mit dieser, von ihm verabscheuten Bezeichnung. Oft floh er in sein Atelier, durch das sich ein Seidenfaden Kreativität beinahe spürbar schlängelte. Er lässt das Kunstwerk in seinem Kopf entstehen. Ein schillerndes Produkt seiner Fantasie, nicht greifbar, wie eine Seifenblase.
„So“, denkt sich der Künstler, „die Kunst ist getan, der Rest ist Handwerk, verhasste Arbeit, früher der Höhepunkt seiner künstlerischen Arbeit, früher der Höhepunkt seiner künstlerischen Arbeit, heute der verhasste und melancholische Tiefpunkt seines Tages.tivität ist Zeit, und somit zeitlos.
Schuld daran: Die, die sich an seiner Kunst erfreuen sollten, die Anderen.
Die, die seine Arbeit nicht würdigen, der Künsler nicht als Künstler, sondern als Kreativfabrik sehen. Kreativität ist keine Fleißarbeit, Kreativität ist Zeit und somit zeitlos.
„Ich bin, was ich bin, ein Künstler!“
(Sven Steinert)
Essay
Innerer Frieden, was bedeutet das?
Für Manche einfach nur die Zufriedenheit, den Genuss leben, Gesundheit von Körper und Geist. Das Leben ohne Bedürfnisse, das Streben, Irren und Suchen nach Antwort und Frage hat ein Ende. Man fühlt sich wie am Ziel nach einer Reise.
Andere versuchen den inneren Frieden zu erlangen durch Meditation, gezielte Suchen in der Leere, um die Erfüllung zu erlangen.
Eine dritte Gruppe glaubt an inneren Frieden durch Selbstfindung. Am Ende der Suche nach dem Selbst, wenn alle Charkterzüge der eigenen Person gefunden und die Persönlichkeit geprägt ist. Man kennst sich selbst wie kein Anderer ist damit zufrieden, wie man ist.
Doch egal, wie man inneren Frieden versteht, ihn zu erreichen, wir kaum einem gelingen.
(Sebastian Beiner)
Akrostichon
Wort: Fantasie
Fliehen aus dem Alltag
Abenteuer erleben
Nie mehr zurückkommen
Tropischer Regenwald
Alle Regeln sind aufgehoben
Seeräuber und Nomade sein
In China und Australien sein
Eine wunderbare Reise.
(Philipp Risius)
Kryptichon
Wort: Wünsche
Wunschzettel
Ueberqueren
Eisberge
Nachts
Sucht
Claus der Santa
Heimlich
Ende
(Pauline Bouché)
Wort: NATUR
Nicht
Alle
Trauern
Um
Regenwald
(Sven Steinert)
Elfchen
zum Thema: Musik
Ausdruck
durch Melodien
liebliche Klänge, Rhythmen,
die das Herz
erfüllen.
Musik!
(Sebastian Beiner)
Zum Thema: Sehnsucht
„Sehnsucht“, schrie er:
„Lass mich gehen, ich kann nicht mehr!“
Tod.
(Dennis Neubert)
Haiku Zum Thema: Musik
Einzelne Noten tanzen gemeinsam.
Klaus Kleber zeigt den Krieg.
(Pauline Bouché)
Zum Thema: Doppelgänger
'Nen Doppelgänger hat unser Herr Becker-Schmitt,
das ist ja ein Hit.
(Dennis Neubert)
Limerick
Zum Thema: Nacht
Nachts
allein mit der Stille sein
kaum ist es hell
werden Geräusche grell
und mein Herz wird zu Stein.
(Pauline Bouché)
Zum Thema: Reise
Ich verreise allein.
Ich träume mich hinein
in ein packendes Abenteuer mit prasselndem Lagerfeuer.
Doch es sollte nicht sein.
(Philipp Risius)
Zum Thema: Freiheit
Freiheit soll sein,
wenn nur zum Schein
zu tun, was ich mag,
ohne, dass mich wer fragt,
und noch ein Glas Wein...
(Sven Steinert)
Zum Thema: Einsamkeit
Einmal alleine sein
hinfort von all Trug und Pein
läge man da einsam am Strand,
das Gefühl zwischen den Zeh'n von Sand
und wünscht sich nie wieder heim.
(Sebastian Beiner)
Zum Thema: Spiegelbild
Siehst du den vergoldeten Spiegel
mit dem dahinter liegenden Siegel?
Es führt dich in eine andere Zeit;
dort macht sich die Herrlichkeit breit,
aber niemand öffnet den Riegel.
(Dennis Neubert)